Dr. Ansgar Müller - Unser Landrat

Unternehmen vom Standort Kreis Wesel überzeugt - Aber: Wirtschaft moniert hohe Standortkosten

Arbeit und Wirtschaft

IHK

Die Standortbedingungen für die Wirtschaft im Kreis Wesel sind aus Sicht der Unternehmen insgesamt „gut“. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, an der sich über 600 Betriebe beteiligt hatten. Die Lage zwischen Rheinland und Ruhrgebiet wird geschätzt. Marktnähe, Naherholungs- und Freizeitangebote, Umweltqualität sowie das Angebot an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen kommen gut an. Die stetig steigenden Standortkosten beunruhigen die Unternehmen jedoch zunehmend. Außerdem wünschen sich die Unternehmen eine kundenfreundliche Verwaltung. In einem Gespräch zwischen IHK und Kreisverwaltung wurden die Ergebnisse der Befragung nun diskutiert und gemeinsame Handlungsansätze besprochen.

Bei der IHK-Standortanalyse wurden die Unternehmen am Niederrhein zur Qualität von insgesamt 52 verschiedenen Faktoren und deren Wichtigkeit für ihren Betrieb befragt. Themen waren unter anderem die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, Entwicklung der Steuern, Qualität der Wirtschaftsförderungsangebote und Beratungseinrichtungen. „Die Umfrage zeigt, was aus Sicht der Wirtschaft hier im Kreis Wesel dringend angepackt werden muss“, so IHK-Präsident Burkhard Landers. Prioritär sei die Reduzierung der Standortkosten, die Verbesserung der Flächenverfügbarkeit für Gewerbe und Industrie sowie die Verbesserung des lokalen Wirtschaftsförderungsangebotes.

Es gibt aber auch positive Entwicklungen, die von den Unternehmen honoriert werden. So hat der Kreis Wesel frühzeitig begonnen, Abläufe und Zeitplanung bei Genehmigungsverfahren zu prüfen. „Die Befragungsergebnisse bestärken uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben“, so Landrat Dr. Ansgar Müller. „Als mittelstandsfreundliche Verwaltung sind wir bestrebt, die Prozesse weiter zu verbessern und Transparenz zu schaffen.“

Besondere Sorgen bereiten den Unternehmen die stetig steigenden Standortkosten. Neben den Gebühren und Abgaben sowie Grundstücks- und Mietpreisen sind vor allem die kommunalen Steuern der Kostentreiber Nummer 1. In den vergangenen Jahren haben die kreisangehörigen Kommunen immer wieder deutlich an der Steuerschraube gedreht, die Hebesätze der Grundsteuer B und der Gewerbesteuer liegen deutlich oberhalb der fiktiven Hebesätze des Landes. Nach Moers erwägt mit Voerde nun eine weitere Kommune eine massive Anhebung des Grundsteuerhebesatzes. „Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen wird durch ständig steigende Standortkosten gefährdet“, mahnt Landers. „Gleichzeitig ist nicht erkennbar, welches Plus an Leistung wir für steigende Kosten erhalten.“ Landrat Dr. Ansgar Müller zeigte Verständnis für die Unternehmerposition, führte die steigenden Kosten jedoch vor allem auf die Pflichtausgaben im Bereich der Soziallasten zurück. „Der Kreis Wesel betreibt bereits seit 2010 eine strategische Haushaltskonsolidierung und spart so jährlich fünf Millionen Euro ein. Gleichzeitig steigen die Sozialkosten, ohne dass Bund und Land uns ausreichend Mittel dafür zur Verfügung stellen“, so Dr. Müller.

Jedes zweite Unternehmen im Kreis Wesel bemängelt die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen. Sorge besteht, ob zukünftig Betriebserweiterungen oder Umwidmungen im notwendigen Maße noch möglich sein werden. Um frühzeitig die Potenziale im Kreisgebiet aufzuzeigen und Flächenbedarfe zu verdeutlichen, wollen die Niederrheinische IHK und der Kreis Wesel gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen ein Gewerbeflächenkonzept erarbeiten. „Das Konzept soll langfristige Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. „Wir brauchen flexible Lösungen, um auch künftig neue Arbeitsplätze schaffen zu können.“

Die Unternehmen wünschen sich auch eine stärkere Begleitung bei ihren Entwicklungsvorhaben. „Den Unternehmen fehlen immer häufiger die Kümmerer vor Ort. In Zeiten knapper Kassen und immer komplexerer Wettbewerbsbedingungen werden diese aber mehr denn je benötigt“, so Dietzfelbinger.

Auch bessere Beratungsangebote sind gefragt. Kreisverwaltung und IHK wollen deshalb ihre Aktivitäten im Startercenter NRW in Wesel gemeinsam mit der Handwerkskammer Düsseldorf intensivieren. Finanzierungs-, Fördermittel-, Nachfolge- oder Existenzgründungsberatung sollen stärker bekannt gemacht werden.

Einig sind sich IHK und Kreis in ihrer kritischen Haltung zur derzeit stattfindenden Novellierung des RVR-Gesetzes. Insbesondere die Einrichtung einer zusätzlichen Wahlinstanz durch eine Direktwahl des Ruhrparlamentes sei in Zeiten von Demokratiemüdigkeit ein falsches Signal.

Die Pläne der Bundesregierung zur Pkw-Maut lehnen Kreis und IHK weiterhin ausdrücklich ab. „Die Pkw-Maut gefährdet die jahrzehntelange Arbeit der Euregio und schadet unserer europafreundlichen Grenzregion erheblich“, so Dr. Müller. Beide Seiten bekräftigten, die enge Zusammenarbeit sowohl in der Euregio Rhein-Waal als auch innerhalb der aus den Kreisen Wesel und Kleve sowie der Stadt Duisburg bestehenden Region NiederRhein weiter zu intensivieren.

Die Umfrage zur Standortanalyse für den Niederrhein wurde von der Niederrheinischen IHK durchgeführt und durch Prof. Dr. Harald Schoelen, Hochschule Niederrhein, ausgewertet. Der Abschlussbericht steht im Internet unter www.ihk-niederrhein.de/Standortanalyse zur Verfügung.


von links nach rechts: Dr. Andreas Henseler, IHK-Referent für Regionalwirtschaft, IHK-Geschäftsführer Ocke Hamann, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger, Landrat Dr. Ansgar Müller, IHK-Präsident Burkhard Landers und Michael Maas, Leiter des Vorstandsbereiches Wirtschaft, Schulen, Demografie und Nachhaltigkeit bei der Kreisverwaltung.