Dr. Ansgar Müller - Unser Landrat

Die Häfen des Lippe-Mündungsraumes als Anker wirtschaftlicher Entwicklung

Arbeit und Wirtschaft

Der Niederrhein zählt zu den führenden Logistikstandorten in Europa. Insbesondere der Lippe-Mündungsraum mit seinen drei Häfen wird im Wasserstraßenverkehrs- und Hafenkonzept NRW herausgestellt.

Dabei kann der Raum auf eine lange wechselvolle Geschichte zurückblicken. Der 1905 als Ersatz für die nicht mehr schiffbare Lippe beschlossene Lippe-Seiten-Kanal wurde 1931 als Wesel-Datteln-Kanal in Betrieb genommen.

1952 schlossen sich die Kreise Rees (Sitz in Wesel) und Dinslaken sowie die Städte Wesel und Voerde zu einer Hafenarbeitsgemeinschaft zusammen. Das Land genehmigte jedoch nur einen Hafenausbau für konkrete Ansiedlungen.

Die Gelsenberg Benzin AG benötigte 1956 einen Ölhafen, der in nur sieben Monaten Bauzeit Ende Oktober 1957 fertiggestellt wurde. Auch der Ölkonzern BP suchte 1956/57 einen Raffineriestandort, für den sich Hünxe anbot. 140.000 m3 Erde wurden bewegt, 350 km Rohre und 8 km Gleise verlegt. Der Kreis Dinslaken hatte seine Kreisbahn und der Rhein-Lippe-Hafen sein zweites Becken.

Eine Weiterentwicklung nördlich oder südlich des Wesel-Datteln-Kanals wurde in den 60er Jahren intensiv diskutiert, bis in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts KAPAL (Kaiser-Preussag-Aluminium) einen Standort für ein Aluminium-Werk suchte. Der von der Kohlekrise betroffene Kreis Dinslaken konnte mit Investitionsbeihilfen des Landes, billigem RWE-Strom und 40 ha bebaubarem Land locken. Um den zur Anlieferung der Rohstoffe unentbehrlichen Hafen zu bauen, übernahm das Land die Kosten zum Bau des Hafens in Emmelsum und dessen Anschluss an die Kreisbahn. Der Bau dauerte von Juli 1970 bis Juli 1972, doch bereits am 22.07.1971 lief das erste Schiff mit Aluminiumoxid in den Hafen Emmelsum ein.

Bei der kommunalen Neugliederung 1975 war der wahre Wert durch die hervorragende geografische Lage noch zu entwickeln. Im Jahr 1993 kam der österreichische Papierhersteller KNP Leykam (heute Sappi). Das Distributionszentrum wurde im Jahre 2001 durch die Spedition Jerich Germany GmbH zu einem Logistikzentrum erweitert. Hoffnungen setzte man 2001 auch in die Firmengruppe Van de Lande, die einen Portalkran an der Westseite errichtete, um Container vom Schiff auf Bahn oder LKW zu verladen. Neben dem Ausbau der Kreisbahn hat der Kreis Wesel in den Bau der Kreisstraße 12n investiert, um die Straßenanbindung der Häfen an B 8, B 58, A 3 und A 57 zu optimieren.

Um eine zukunftsorientierte Entwicklung der Häfen im Kreis Wesel und am unteren Niederrhein insgesamt zu erreichen, erarbeiteten von 2008 bis 2010 der Kreis Wesel mit seinem Eigenbetrieb Hafen Emmelsum, der Rhein-Lippe-Hafen Wesel GmbH und der Stadtwerke Wesel GmbH in Kooperation mit der NIAG und der Duisburger Hafen AG den „Masterplan Häfenkooperation NiederRhein“. Der Masterplan gilt als Grundlage für die weitere Entwicklung des Hafens Emmelsum, des Rhein-Lippe-Hafens und des Stadthafens Wesel sowie für Kooperationen mit dem NIAG-Hafen Orsoy und der Duisburger Hafen AG.

Beim Prozess des Zusammenführens der drei Häfen im Lippe-Mündungsraum stellte sich schon bald der erhebliche Sanierungsstau im Stadthafen Wesel als Hindernis dar. Die im Krieg zerstörten Hafen- und Bahnanlagen waren 1950 wieder aufgebaut, jedoch nach 60 Jahren in einen sanierungsbedürftigen Zustand gekommen. Zur Zusammenführung wurden Regelungen gefunden, die im Jahr 2012 eine Gründungsentscheidung und im Jahr 2013 die Einbringung der Infrastrukturen ermöglichten. Die neu geründete Hafengesellschaft DeltaPort GmbH & Co. KG bekam einen hauptamtlichen Geschäftsführer.

Derzeit stehen die Fertigstellung der Sanierung des Stadthafens  und die damit verbundene Übernahme durch DeltaPort an. Über Wasser, Straße und Schiene werden Agrarprodukte, Mineralölerzeugnisse, Logistik und Spezial-Schüttgüter umgeschlagen und eine Hafen- und Wasserbaufirma ist dort ansässig. Der runderneuerte Stadthafen verfügt über fünf Liegeplätze für Binnenschiffe. Die beiden Hafenstandorte Emmelsum und Rhein-Lippe entwickeln sich ebenfalls weiter: In Emmelsum wird die trimodale Anbindung künftig von der Firma Contargo genutzt, die dort eine Infrastruktur sowie Lager- und Abstellflächen für Container schafft. In Vorbereitung ist die Verlängerung der Kaimauer im Westteil des Emmelsumer Hafens, verbunden mit einem weiteren Flächenangebot von 21 Hektar. Im Rhein-Lippe-Hafen siedeln sich aktuell die Firma Hegmann Transit GmbH mit einem Schwerlast-Terminal sowie die Firma GS-Recycling mit einer Aufbereitungsanlage an. Aktuell in Planung befindet sich der Ausbau der nördlichen Hafenböschung zu einer „echten“ Kaianlage mit zwei Schiffsliegeplätzen für u.a. den Umschlag von Schwergütern. Projektiert ist außerdem eine Brücke mit zwei Schiffsliegeplätzen für die Tankreinigung. Der Hafen verfügt derzeit über 16 Hektar freie Fläche, weitere 46 Hektar werden entwickelt.

DeltaPort wird damit zu einem Markenzeichen für Logistik am Niederrhein oder wie die Gesellschaft selbst wirbt: „DeltaPort. Wo die Zukunft vor Anker geht.“

Weitere Infos unter www.kreis-wesel.de.